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17. September 2007

Inler: "Gegen Juve mein bestes Spiel."

Juventus Turin hat heute in der dritten Runde der Serie A die erste Niederlage kassiert: 0:1 gegen Udinese, vor eigenem Publikum. Das Tor in der zweiten Minute nach der Pause bereitete Gökhan Inler vor, der 90 Minuten durchspielte. "Lo svizzero bravo in fase di interdizione e anche nel costruire il gioco", schreibt Repubblica Online. "Der Schweizer gut in der Defensive und auch im Spielaufbau." Auch die Nachrichtenagentur Ansa lobt den Ex-FCZler. "Ottimo in coppia con D'Agostino." Sehr gut habe er mit dem anderen zentralen Mittelfeldspieler Udineses, D'Agostino, harmoniert.
Ich erreichte Gökhan Inler kurz vor Mitternacht auf seinem italienischen Handy.
"Sorry, wenn ich um die Zeit noch anrufe."
"Kein Problem. Wäre ich schon im Bett, würde ich nicht abnehmen."
"Gratuliere zum Auswärtssieg gegen Juve."
"Vielen Dank."
"Ein perfektes Spiel von Udinese?"
"Wir spielten sehr gut, aber nicht perfekt."
"Du hast nach dem Spiel durchwegs positive Kritiken erhalten. Wie beurteilst du selbst deine Leistung gegen Juve?"
"Es ist schwierig, mich selber zu beurteilen. Aber nach Inter und Napoli habe ich gegen Juve mein bisher bestes Spiel in der Serie A geliefert, denke ich."
"Du hast den Siegestreffer eingeleitet."
"Ja, aber unabhängig davon: Es lief mir heute auch sonst gut."
"Überhaupt scheinst du dich bei Udinese sofort integriert zu haben. Haben sie dich als Schweizer überhaupt ernst genommen am Anfang?"
"Was soll ich sagen? Der eine oder andere konnte mit meinem Namen nicht viel anfangen, das ist aber auch irgendwie normal. Ich kann nicht erwarten, dass sie mir in Italien den roten Teppich ausrollen. Inzwischen schätzen mich bei Udinese alle, und die Gegenspieler nehmen mich ernst."
"Wie hat Del Piero bei Juve gespielt?"
"Technisch ist er Weltklasse, das sieht man sofort. Wir haben trotzdem gewonnen."
"War es heute ein spezielles Spiel gegen Juve?"
"Es war ein Spiel, auf das ich mich sehr gefreut habe, aber ein spezielles Spiel war es nicht. Das heisst: Ich habe mich nicht besonders vorbereitet. Ob gegen Juve oder gegen den FC Thun: Ich nehme jeden Gegner ernst und versuche, das Beste zu geben."
"Gegen Juve gleich wie gegen den FC Thun? Kann ich mir nicht vorstellen."
"So ist es aber."
"Der Hauptunterschied zur Schweizer Super League?"
"In Italien wird härter gespielt."
"Unfairer?"
"Nein, aber mit mehr Körpereinsatz. Und im Schnitt sind die Spieler technisch besser."
"Jeder kann den Ball stoppen?"
"Können die Spieler in der Schweiz auch, aber in Italien haben sie noch ein paar Tricks mehr drauf als den Ball stoppen. Das macht das Spiel automatisch schneller."
"Kein Problem für dich, offenbar."
"Nein. Ich war überzeugt, dass ich mithalten kann."
"Woher kommt deine Selbstsicherheit?"
"Ich bin mental stark. Klingt jetzt vielleicht etwas altklug, aber der Kopf entscheidet, was mit den Beinen passiert."
"Wie sind die Trainings mit Udinese?"
"Sie dauern länger, sind taktisch intensiver. Wir haben kein starres Spielsystem, sondern passen uns - mehr als ich mir das aus der Schweiz gewöhnt war - dem Gegner an."
"Massgeschneiderte Taktik von Woche zu Woche?"
"Genau so, ja. Normalerweise spielen wir ein 4-4-3, gegen Juve zum Beispiel lies uns der Trainer aber ein 3-4-3 spielen. Dieses System liegt mir besser."
"Petric schoss dieses Wochenende zwei Tore für Dortmund, Raktic holte für Schalke auswärts mit seinem Tor ein 1:1 gegen Bayern heraus, du leiteste den Siegestreffer gegen Juve ein - so schlecht kann der Schweizer Fussball nicht sein."
"Ist er auch nicht. Nur schade, spielen Petric und Rakitic nicht in unserer Nationalmannschaft."
"Ich lass dich jetzt schlafen, obwohl: Morgen hast du ja frei, oder?"
"Nein, wir haben leichtes Training."
"Am Tag nach dem Spiel ist in Italien frei."
"Wir haben nur ein leichtes Auslaufen, aber erscheinen muss ich trotzdem."
"Als alter Juve-Fan eine letzte Frage: Mit etwas Glück hätte Juve auch gewinnen können, nicht?"
"Mit etwas Glück vielleicht. Del Piero traf zweimal den Pfosten."
"Glück, dass er den Pfosten überhaupt getroffen hat. Es läuft ihm nicht besonders."
"Wie auch immer: Mir ist es recht so."

September 17, 2007, 12:52 vorm.
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Kommentare

zuffi, wieso denn? wegen der skin-assozation zu hitler mit der zahl? oder wer hat die schon getragen?

Kommentiert von: de philippe | 17.09.2007 09:39:39

kein wunder gewinnt udinese gegen juve, wenn sie mit einem 4-4-3 spielen. ist das aber nicht ein bisschen unfair mit einem mann mehr zu spielen? ;-)

Kommentiert von: kei | 17.09.2007 09:27:09

Wale, du bisch Wäutklass! S'nächschte Mal nach 0 Uhr alüte! Hehe. Witer so! Das isch Service.

Kommentiert von: Travis | 17.09.2007 09:15:55

Ich find ja auch, dass Inler sehr gut spielt und möchte nicht zu sehr rumstänkern hier, aber ist sich der Junge eigentlich bewusst, was er da für eine Rückennummer gewählt hat?

Kommentiert von: zuffi | 17.09.2007 08:02:15

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