« Matchbericht Schweiz-Chile 2:1 | Start | An der Oberfläche kratzen »

08. September 2007

Alex Frei und das Boot

Beim Durchblättern des Pressespiegels, das die Credit Suisse den mitgereisten Journalisten jeden Morgen an der Hotelreception freundlicherweise zur Verfügung stellt, bin ich beim Interview meines geschätzten Kollegen Sven Schoch von der Sportinformation hängen geblieben. Das heisst: Es hat mich fast umgehauen.
Schoch fragte den Captain der Nationalmannschaft Alex Frei, wie er die Neuerungen im Schweizer Trainerstab, die so genannte Kerngruppe, beurteilt. Frei: „Niemand soll das Gefühl haben, dass der Auslöser für diese Änderungen die Kritik von aussen war.“ Und weiter: „Es sollen jetzt wieder alle in einem Boot sitzen – da schliesse ich die Medien übrigens mit ein.“ Schliesslich die Erkenntnis: „Wir sind nicht auf einem Schulausflug.“
So ein Schwachsinn!
Ein paar Zusatzfragen:
- Ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn man zugibt, was offensichtlich ist, nämlich dass die Kritik von aussen gewisse Veränderungen mitprovoziert hat, oder ist es eher Ausduck einer egozentrischen Mimosenhaftigkeit, Kritik nicht zu ertragen und anschliessend als eigene Idee zu verkaufen?
- Was meint Frei mit "alle im selben Boot sitzen - inklusive Medien"? Scheitert die Schweiz an der Euro 2008, weil die Medien dagegenhalten? Ohne öffentliche Streicheleinheiten ist der moderne Profi lahm im Fuss?
- Zum Schuelreisli: Hat nicht auch die Kritik Valon Behramis, der während des USA-Camps im Frühling von "Schuelreisli" gesprochen hatte, zu genau jenen Veränderungen geführt, die der Spieler mit seiner Kritik ausgelöst hat?
Ich kann ja Frei nicht bloss kritisieren, ohne ihn mit der Kritik zu konfrontieren, dachte ich, also bat ich ihn nach dem gestrigen Spiel gegen Chile in der Mixed Zone des Stadions, dort, wo sich Journalisten und Spieler zum kurzen Gespräch treffen, um ein ebensolches. Ich solle bei Pressechef Benoit eine Anfrage deponieren, wiegelte er ab. "Es wird schwierig, einen Termin zu finden, vielleicht am Sonntag", sagte Benoit, der zu jenem Zeitpunkt schon wusste, was wir eine Stunde später erst erfahren sollten: Frei reist heute Samstag frühzeitig nach Dortmund zurück.
Vorher allerdings trifft er sich noch mit Journalisten, die seiner Meinung nach "im selben Boot sitzen".
Ich werde mich bei meinen Kollegen über den vorgegebenen Kurs des Captains informieren.
Eine zentrale Frage bleibt: Frei ist Nationalspieler, Bundesliga-Profi, er ist jung, reich, gesund (seine Muskelzerrung ist nicht lebensbedrohend). Er hat eine blendende Karriere hinter sich und vielleicht sogar noch eine vor sich. Und doch: Er wirkt, als würde er von der Hotellobby direkt in eine Kohlegrube steigen und nicht in den Bus, der ihn zum grünen Rasen fährt. Immer geladen, immer stinkig drauf, als habe er den Weltschmerz geschultert. Er nimmt die Medien wahr wie ein notwendiges Übel und merkt nicht, dass dies in seinem Fall umgekehrt ebenso gilt.
Das Geheimnis Frei wird weiterhin tief verborgen bleiben.

September 8, 2007, 10:14 vorm.
Permalink

TrackBack

TrackBack-Adresse für diesen Eintrag:
https://www.typepad.com/services/trackback/6a00d8341bf87453ef00e5506a09358833

Listed below are links to weblogs that reference Alex Frei und das Boot:

Kommentare

dieser artikel freut mich, wie auch die treffenden kommentare dazu.
ok, der behrami hat gegen japan defintiv die arschkarte gezogen. aber wie schon unterhalb erwähnt hat ebenso dieser den draht zur nati nie gefunden.
ein behrami ist wie ein huggel nicht von bedeutung für die nati. im gegensatz zu frei (ach ja und: frei) frei, kufo, streller, vonlanthen, inler, barnetta, margairaz, magnin, yakin, degen und bitte BENAGLIO! bitte!
trotz der niederlage gegen japan hat mich die schweizernati überzeugt! soviel kampfwille war noch selten zu erkennen.
und auf die schnauze fallen und wieder aufstehen war fast nie schädlich!
womit wir bei frei wären.
herr de gregorio, sie gehen mit ihm zu hart ins gericht! der frei ist nicht umsonst dran, am torrekord! seine verdienste für die nati sind sehr gross und ich denke da kommt noch einiges.
der alex frei soll auf dem platz die leistung bringen. und das wird er.
wie er sich den medien gegenüber verhält (für mich ist das emotion und grosser ehrgeiz und nicht pomadigkeit) mag nicht das wahre sein. aber das kümmert zum glück weder den KK noch die tabelle...

Kommentiert von: Stöff | 11.09.2007 23:34:50

Der Aufwärtstrend hat nun wirklich herzlich wenig mit Freis Verletzung zu tun, ausserdem sind das alles letztendlich nur Testspiele. Wenn es wirklich hart auf hart geht, kommt man an Alex nicht vorbei, so zuverlässig wie er ist sonst keiner. Was läuft sonst, wenn Barnetta mal einen weniger guten Tag hat?

Kommentiert von: Shearer | 11.09.2007 16:41:33

Hätte nie gedacht, dass es in der Schweizi ein Medium geben würde, dass meine Auffassung zu Streller und Frei teilt... Weiter so!

PS: Seit Freis Verletzung geht es wieder aufwärts und die Schweiz schiesst nicht weniger Tore...

Kommentiert von: fabian | 11.09.2007 11:00:23

Man kann ja von der Art, wie Frei mit der Öffentlichkeit umgeht, halten was man will. Tatsache ist doch, dass Alex noch immer der einzige Schweizer Fussballer internationaler Klasse ist. Wo er auch gespielt hat, immer hat er sich früher oder später durchgesetzt, was zweifellos für seine Einstellung spricht. Frei ist auf dem Platz einer, der sich für die Mannschaft verreisst von der 1. bis zur letzten Minute. Deshalb mögen sie ihn in Dortmund so. Ausserdem hat er aus vergleichsweise durchschnittlichen Fähigkeiten das Optimum herausgeholt und verbessert sich auch heute noch. Glaube, da hat schon manch einer aus dem Natikader den Mund weiter aufgemacht, der leistungsmässig weniger dazu berechtigt gewesen wäre.
Lange Rede kurzer Sinn: Ja, viellicht kommt Frei zu verbissen rüber, vielleicht ist er auch zu dünnhäutig, was Kritik anbelangt, und sieht sich schnell ungerecht behandelt. Na und? Seine Leistung auf dem Platz zählt schlussendlich und da kann ihm keiner das Wasser reichen! Welcher internationale Topstürmer hat schon eine derart starke Trefferquote? CH-Nati ohne Frei: Niemals!!!

Kommentiert von: Shearer | 10.09.2007 09:16:00

PS: Gemäss dem Interview in der heutigen SonntagsZeitung ist Streller übrigens nicht mehr im Ausland gescheitert! Vonwegen! "Damit kann ich gar nichts anfangen", so Streller. (Muhaha...)

Lieber, WdG, streiche also dein Interview mit dem Strelli. Er hat dich bodenlos angelogen. Oder hast du ihn so in die Ecke gedrängt, oder hat er einfach das gesagt, was du hören wolltest? ("Heute weiss ich aber auch, wer für mich wichtig ist und wem ich vertrauen kann.")

Wie es aussieht bist du, Wale, nicht nur bei Frei draussen - sondern auch beim Strelli. Welch Zufall.

(Würde mich nicht wundern, wenn auch der Huggel nicht mehr mit dir reden will, wobei du wohl gar nicht mit Huggel sprechen willst, weil dieser Spieler für die Schweizer Nati wirklich irrelevant ist.)

Die Halbwertszeit deines Strelli-Blogs ist bereits Historie. So viel zum Strelli-Thema "voll selbstkritisch". Bullshit! (Dieses Wort ist jetzt ja nicht nur bei den jüngeren unter uns Normalslang, sondern sogar in der Politik - was für eine grosse CVP-Aufregung. )

Kommentiert von: Travis | 09.09.2007 14:42:44

Nach dem Alpha-Intrigen-Tierchen Vogel kommt jetzt schon der nächste Alpha-Tier Frei. Und seit der Spuckaffäre in Portugal scheint der Frei mir etwas gegen (kritische) Journalisten zu haben. Nkuof müsste viel mehr ins Spiel gebracht werden. (Wie der den Ball halten und behandelt ist mir eine Freude. Warum hat man auf ihn bloss 3 Jahre verzichtet!) Auch der junge Vonlanthen spielt auf dem Flügel sensationell. (Wie lange bleibt Vonlanthen noch in der Gurkenliga in Oesterreich?)

Der Tagi-Bericht vom Samstag war noch interessant. (Da kamm Inler aber auch nicht sonderlich gut weg.) Der Valon scheint mir irgendwie nicht den Anschluss/Draht zur Nati gefunden zu haben. Macht er jetzt auf "Schuelerreisli". Und warum kriegen Spieler wie der Huggel und Yakin (in dieser pomadigen Form) immer wieder Spielzeit? Das nervt mich.

Und spielte Celestini eigentlich auch mit?

Kommentiert von: Travis | 09.09.2007 13:22:55

wale, im tagi heute meint thomas schifferle, dass valon behrami der einzige sei, der sich auf und neben dem platz wie auf einem schulreisli verhalte. könntest du valon mal damit konfrontieren? ... ich meine, alain sutter hat ja gesagt, wahrheit sei subjektiv, vielleicht hat sich valon dies beim letzten interview einfach zu herzen genommen und quasi solipsistisch auf ein schulreisli geschlossen.
... und warum nicht mal ein interview mit senderos ... quasi als antidot zu frei.

Kommentiert von: pitsch | 08.09.2007 14:33:18

Au Backe, da stellt man auf einmal fest, es geht ohne Frei!! Das tut weh!!! und stellen Sie sich mal vor; KK würde Vonlanthen zusammen mit Nkufu spielen lassen und Margairaz würde mal ein Spiel aussetzen! Jeder kann sehen, dass Nkufu nicht angespielt wird, warum wohl? Ist doch ne gute Frage!

Kommentiert von: chviktory | 08.09.2007 12:13:00

Genau so ist es, wdg. Da bin ich absolut der gleichen Meinung wie Sie. Kompliment zu Ihrem Blog und weiter so!

Kommentiert von: Röbi | 08.09.2007 11:01:08

Die Kommentare dieses Eintrags sind geschlossen.