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09. September 2007

An der Oberfläche kratzen

Im neusten Sobli wird ein Interview mit Marco Streller wie folgt angekündigt:
"SonntagsBlick kratzte gestern kurz vor dem Weiterflug von Wien nach Klagenfurt an der Oberfläche des FCB-Stürmers. Und war erstaunt, was dort zum Vorschein kam."
Frage:
1. Wieso wird erst jetzt gekratzt?
2. Und wieso nur an der Oberfläche?
3. Was kommt Erstaunliches zum Vorschein?
Zu Punkt drei gleich vorweg: Nichts. Oder wie hätte Streller auf die Frage, ob ihn Schicksale wie jenes des Entführungsopfers Natascha Kampusch berührten, antworten sollen? "Nein, solche Dinge interessieren mich nicht, die gehen mir sowas am Arsch vorbei....."
Natürlich antwortet Streller im Interview des Sobli: "Es ist furchtbar, was geschehen ist. Auch andere Dinge wie Kindesentführungen und Misshandlungen sind so etwas Schlimmes!" Das Erstaunliche an Strellers korrekter Antwort ist, dass diese Antwort erstaunt. Das Problem von Streller ist nicht, dass er mangelnde Empathie zeigt oder auf den Kopf gefallen ist (offenbar geht der Sobli aber genau davon aus, sonst wäre er nicht erstaunt über Strellers Aussagen).
Wie er in einem anderen Interview (SonntagsZeitung) von heute einmal mehr erklärt, liegt das Problem aus seiner Sicht woanders, nämlich, dass er oft "eine auf die Mütze" bekommt.
Wieso bekommt er oft eine auf die Mütze?
Vielleicht, weil er es oft verdient, eine auf die Mütze zu bekommen?
Nehmen wir seine Aussage in der heutigen SonntagsZeitung, er sei in Stuttgart nicht gescheitert. Herrgott nochmal, fällt ihm denn ein goldener Fussballstollen von der Sohle, wenn er zugibt, was offensichtlich ist?
In einem Interview, das er mir vor ein paar Wochen in der Weltwoche gegeben hat, redete er Klartext. Ja, er sei gescheitert – beim vereinbarten Gegenlesen des Interviews durch die Presseabteilung des FC Basel wurde diese Aussage dann in „nicht wunschgemässe durchgesetzt“ geändert. Vielleicht sollte Streller darauf bestehen, in Zukunft die Wahrheit sagen zu dürfen.
Eines muss man Marco Streller trotz aller Kritik zugute halten: Erstens schiesst er weiterhin seine Tore. Zweitens stellt er sich den Fragen seiner Kritiker, denen er auf dem Platz die Antwort zu geben versucht. Nicht immer gelingt ihm das, aber es ist der beste – der einige – Weg, als Profi glaubwürdig zu bleiben. Die Mimosenhaftigkeit eines Alex Frei geht ihm erfreulicherweise ab.
Nicht zuletzt auch das Spiel gegen Chile vom letzten Freitag zeigt, dass das Problem der Schweizer Nationalmannschaft im Moment aber nicht so sehr – oder nicht ausschliesslich – im Sturm liegt.
Zwei Fragen muss Köbi Kuhn dringlicher beantworten:
1. Auf welchen Torhüter will er setzen? Irgendwann muss er sich entscheiden, auch um der Hintermannschaft klare Koordinaten zu geben.
2. Kuhn fehlt eine Nummer 10, ein Stratege, der das Spiel gestalten kann, vor allem auch dann, wenn die Schweiz am Drücker ist. Der Einzige, der diese Fähigkeit besitzen würde, wäre Hakan Yakin - ein sematisches Konditional, das keine Indizien liefert, ins Imperativ zu wechseln.

September 9, 2007, 05:11 nachm.
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Kommentare

Es geht nicht nur um Strellers (Gesundheits-)Problem. Ein Nationalspieler sollte als Vorbildfigur herhalten können. Ausserdem weiss man ja nicht, was Marco konditionell leisten könnte, wenn er nicht paffen würde...

Kommentiert von: Shearer | 11.09.2007 16:43:51

na hallo!

raucher unter den spitzensportlern gibts zuhauf! leute, tut euch mal n bisschen kund, bevor ihr reinhaut.

sehe kein problem im rauchen. wie schon weiland churchill gesagt hat. sport is murder. kausale überdetermination ist nicht möglich, also wird streller einst wegen dem fussball und nicht wegen dem rauchen das zeitliche segnen, oder?!

Kommentiert von: pitsch | 10.09.2007 18:01:47

ich verstehe die diskussion hier nicht. mangelnde kondition oder laufbereitschaft konnte man streller meines wissens bisher nicht vorwerfen. also, was solls? wegen den zigaretten trifft er das tor nicht mehr und nicht weniger und es haben noch ganze andere geraucht als mario basler.

sonst bin ich ganz der meinung von shearer. dafür, dass wir keinen besseren haben, kann er nichts und einen nati-spieler bei der einwechslung auszupfeiffen ist absolut unwürdig für die "besten fans der wm 06".

sehe es auch so wie arsène, dass hatsch viel zu langsam ist. gute trainer finden das beste taktische system für das vorhandene spielermaterial. ohne 10er keine raute. bin zuversichtlich, dass köbi auf bestem weg zu dieser einsicht ist, auch was ex-fcz-margeiraz betrifft...

Kommentiert von: de philippe | 10.09.2007 17:13:29

barthez war auch einer. aber der stand ja schliesslich nur im tor ;o)

Kommentiert von: domix | 10.09.2007 15:56:19

Streller ein Raucher? Das spricht nun aber wirklich nicht für ihn. Hätte gedacht, der letzte Profifussballer mit einem derartigen Nikotinkonsum sei Mario Basler gewesen...

Kommentiert von: Shearer | 10.09.2007 14:58:56

er hat nicht aufgehört.

Kommentiert von: züri | 10.09.2007 13:44:34

nachtrag zu streller:

was mir, neben dutzenden von leichtfertig versiebten chancen, den gong gegeben hat in sachen streller, ist, als ich gelesen habe, dass unser lustige strelli im wm camp pro tag jeweils eine schachtel zigaretten geraucht hat!! da frage ich mich, wie ist das im spitzensport überhaupt möglich? warum greift da der trainer oder andere spieler nicht ein? was denkt sich der spieler dabei? da muss ich schon von mangelnder professionalität sprechen.

habe mal gelesen, er habe jetzt aufgehört. vielleicht können sie ja mal diesbezüglich nachhaken herr WDG.

Kommentiert von: domix | 10.09.2007 11:09:38

Der arme Strelli kann mittlerweile fast niemandem mehr etwas rechtmachen. Vielleicht hätte er tatsächlich das eine oder andere Mal besser die Schnauze gehalten und der Penalty gegen die Ukraine war wirklich sackschwach geschossen, keine Frage! Aber was kann ihm sonst noch vorgeworfen werden? Mir kommt da nicht viel in den Sinn! Ja, er ist nicht der filigranste Techniker, ja er braucht teilweise zu viele Chancen und als einzige Spitze geht er meist etwas unter. Aber was kann er dafür, wenn die Schweiz nicht mehr Stürmer eines bestimmten Mindestniveaus hat? Das ist nun wirklich nicht sein Problem, eher das der Konkurrenz (Esteban, wieso nicht ein, zwei Jahre Stammplatz in der ASL statt erstbester Auslandtransfer?)! Streller rangiert im Angriff unter den ersten drei, das schleckt keine Geiss weg. Vielleicht darf seine Trefferquote (6 Tore aus den 9 letzten Natispielen) wieder einmal erwähnt werden?! Und noch eine ketzerische Frage: Ist ein Schweizer, der beim aktuellen deutschen Meister nicht über die Jokerrolle hinauskam und knapp hinter Topleuten wie Gomes und Cacau zurückstehen musste wirklich gescheitert? Der VfB hätte ihn jedenfalls gerne behalten, Nürnberg hätte ihn gerne verpflichtet. Er aber wollte seine EM-Teilnahme nicht gefährden und wechselte zurück zum FCB, offenbar ist die Nati für ihn eine Herzensangelegenheit. Wie furchtbar, nicht?

P.S.: Die Probleme der Nati liegen teilweise auf der Goalieposition, bei den Aussenverteidigern und v.a. im offensiven zentralen Mittelfeld, wo einer spielt, der tatsächlich gescheitert ist, mehrmals sogar...

Kommentiert von: Shearer | 10.09.2007 09:35:02

Angesichts der immer besseren taktischen Schulung, der extremen Kompaktheit des Mittelfeldes und der Verteidigung und der überragenden Athletik der Weltklassespieler kann eine überragende Technik und ein ausserordentliches Auge für den Mitspieler noch nicht zwingend eine Differenz schaffen. Diese Regisseure müssen deshalb äusserst komplette Spieler sein, weshalb sie kaum zu finden sind, mit Zidane hat wohl der letzte seinen Rücktritt gegeben (Cesk Fabregas, wenngleich ein vollkommen anderer Spielertyp könnte vielleicht einer werden). Dass der Kunstrasenfussballer Hakan Yakin gewisse Qualitäten im Passspiel und bei ruhenden Bällen besitzt, möchte ich nicht negieren; trotzdem, seine Defizite überwiegen, da er das hohe Tempo, das allein schon Woche für Woche in der Premier League angeschlagen wird, keinesfalls mitgehen kann. Seit Mutter Emine nicht mehr - wie dies am Rheinknie üblich war - die selbstgebackene Vesper per Dreirad anliefert, kommt der verhätschelte Nachwuchs nicht mehr auf sein angebliches Leistungsvermögen, die Tour d`Europe (inklusive Bosporus) kann stellvertretend dafür angeführt werden. Für mehr als eine kurze Besichtigung des Parque-des-Princes hat es nicht gereicht.

Kommentiert von: Arsène | 09.09.2007 21:47:35

zu streller:
ok, er hat ein tor geschossen. ein schönes tor. aber er hat ebenso zwei weitere sehr gute möglichkeiten wieder einmal überhastet vergeben. und seine ballannahmen mit dem rücken zum tor, wo er sich jeweils am gegnerischen verteidiger anlehnt und ihn festklammert, sind eines klassestürmers einfach nicht würdig und bringen nichts. warum sagt ihm das nicht mal einer?
was macht einen weltklassestürmer aus? dass er, wenns draufankommt, mit einem kaltblütigen überraschungsmanöver die gegner
ins leere laufen lässt. obwohl ich alex frei fan bin, finde ich, dass auch ihm diese coolness fehlt.

zu hakan yakin:
ich stimme ihnen zu, dass er der ist, der diese aufgabe meistern könnte. aber was ist mit diesem spieler los? einst als fuss der nation unverzichtbar! ich kanns mir nicht erklären. seit jahren ein schatten seiner selbst. ich würde es keinem mehr gönnen, wenn er wieder zur 'normalform' finden würde. vielleicht sollte er mal den schritt von micky mouse zu erwachsenen-comics wagen ;o)

Kommentiert von: domix | 09.09.2007 18:16:57

Das SoZ-Interview war ja wieder mal herrlich.
Für mich lässt sich alles rund um Streller mit einer kurzen Sequenz zusammenfassen: egal ob nati-tauglich oder nicht, sicher nicht nati-würdig (wenn das blog halt keine links im kommentar erlaubt, dann halt die autoren-url klicken...)

Kommentiert von: mullzk | 09.09.2007 17:42:30

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