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13. August 2007

Sforza: "FCL macht Freude."

Ein bisschen Schadenfreude ("GC den Sieg zu nehmen, ist eine besondere Genugtuung!") sei ihm zugestanden, denn er macht einen hervorragenden Job mit den Junioren des FC Luzern. Ciriaco Sforza, Trainer der Innerschweizer, hat mit minimalem Budget (verglichen mit den Grossen der Liga) ein Team geformt, dem es noch an Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit fehlt, das unbeständig ist und oft auch ein wenig naiv die Spiele beginnt. Aber was die Jungen (und die paar älteren Semester, die Ciri eingebaut hat in seine Mannschaft) an Kampfwillen zeigen, das ist erstaunlich. Ein 0:3 aufzuholen, ist auch gegen GC schwierig. Ich habe heute Abend kurz mit Ciri telefoniert.
"Gratulation. Das war sicher Absicht, GC den hohen Vorsprung zu gewähren. Die Zürcher fühlten sich danach zu sicher. "
"Danke. Aber Absicht war es nicht. Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn meine Mannschaft schon beim Anpfiff wach ist. "
"Sie werden fortan ab der 1. Minute spielen lassen?"
"Ich weiss, dass es nicht offensichtlich ist. Aber auch gegen GC hatten wir das vor. Es ist uns nicht gelungen."
"Wieso nicht?"
"Ich nehme es auf meine Kappe. Schon nach einer halben Stunde habe ich Clemente wieder vom Platz genommen. Es war zu früh für ihn, mein Fehler. Er spielte in Italiens C1, er muss sich hier erst noch einleben. Er und andere Spieler werden ihre Leistungen sicher noch zeigen."
"Einige Ihrer Spieler haben den Mund vor Beginn der Saison etwas gar voll genommen. Alles sei für den FC Luzern möglich, also auch Platz 1, meinte etwa ein Cantaluppi."
"Ich habe keine Mühe mit solchen Aussagen. Sie zeigen, dass meine Spieler hungrig sind. Sie glauben an das Unmögliche, sie wollen gewinnen, kämpfen, sich durchsetzen. So wie ich auch. Natürlich ist es ein schmaler Grat. Wo hört das Selbstvertrauen auf, wo beginnt die Selbstüberschätzung? Gegen GC sind einige Spieler auf diesem Grat ausgerutscht und auf die falsche Seite gekippt. Die ersten 70 Minuten, als wir 0:3 zurücklagen, waren sehr hilfreich. Ich bin sehr stolz, wie sich meine Jungs danach aufgerafft haben, die Niederlage nicht akzeptieren wollten."
"In der Regel wirken Sie auf der Trainerbank sehr gelassen, fast apathisch. Haben Sie Ihren Spielern nichts zu sagen?"
"Das war heute nicht so, ich habe gespürt, dass ich ihnen helfen, mich bemerkbar machen muss. Aber es stimmt schon: Ich bin keiner, der gerne an der Grundlinie herumschreit. Denn die Spieler wissen, was ich von ihnen verlange. Ganz wenig, aber das Wenige muss stimmen."
"Nämlich?"
"Einfach spielen. Vor allem aber: immer möglichst schnell."
"Als Exil-Aargauer verstehe ich Sie gut: Unser Vorbild, der Töff."
"Sie lachen, aber wenn die Spieler nicht ständig in Bewegung sind, passiert das, was in den ersten 70 Minuten gegen GC passiert ist. Nur wer sich bewegt, wer schnell ist, kann aggressiv spielen, Druck machen, den Gegner zu Fehlern zwingen. Am Schluss haben wir das Unmöglich geschafft und das Spiel noch gewendet. Das 3:3 haben wir uns redlich verdient."
"Mit sehr viel Glück und der Mithilfe von GC-Torhüter Coltorti."
"Einverstanden. Aber wie heisst es noch? Man muss das Glück erzwingen."
"Gilt das auch für Ihren neusten Transfer? Seit Wochen schon stehen Sie in Verhandlungen mit Gügi Sermeter, der FC Aarau lässt ihn immer noch nicht gehen."
"Die Sache ist für mich gelaufen, Gügi kommt. In den nächsten Tagen wird es offiziell."
"Wieso nicht schon jetzt?"
"Es müssen noch ein paar letzte Details mit dem FC Aarau geregelt werden, es sollte nichts mehr schief gehen."
"Das dachte ich Anfang Saison auch in Ihrem Fall, aber dann hat sich GC doch für Latour als Trainer entschieden."
"Es war eine besondere Freude, heute den GC-Vogel abzuschiessen."
"Er hat nur ein paar Federn gelassen, abgeschossen ist er noch nicht."
"Es war trotzdem eine besondere Genugtuung, GC in letzter Sekunde noch den Sieg zu nehmen."
"Erich Vogel wollte Sie zu GC holen, aber Financier Spross soll dagegen gewesen sein."
"Ach ja? Vogel behauptet auch, zum Abendessen bei mir zu Hause gewesen zu sein. Sogar meine Frau sei dabeigewesen."
"Jemand muss ja kochen."
"Nein, im Ernst: Weder ich noch meine Frau haben Vogel je bei uns zu Hause gesehen, obwohl er das Gegenteil behauptet."
"Er lügt halt ab und zu, sagt er ehrlichweise."
"Seit bekannt wurde, dass Latour neuer GC-Trainer wird, tut Vogel so, als würde er mich nicht mehr kennen. Auch heute in Luzern hat er mich nicht gegrüsst."
"Vielleicht hat er Sie übersehen."
"Genau, ich stand ja an der Linie."
"Latour wird die Saison nicht überstehen. Werden Sie im zweiten Anlauf GC-Trainer?"
"Im Moment bin ich Trainer des FC Luzern. Die Jungs machen mir Freude, sie sind lernwillig, motiviert. Ideale Voraussetzungen für einen Trainer."
"Nicht für einen Ciriaco Sforza. Sie haben andere Ambitionen."
"Chiumiento ist technisch einer der besten Spieler der Liga. Er war fast noch ein Kind, als er zu Juve ging, kam zurück in die Schweiz, hat hier nie das Vertrauen bekommen, das er verdient. Ihn zu Luzern geholt zu haben und ihm hier einen neuen Anfang ermöglichen zu können, ist ein sehr ambitioniertes Ziel für einen jungen Trainer wie mich. Es fehlt mir nicht an Herausforderungen in Luzern, glauben Sie mir. Wenn Chiumiento sein Potenzial ausschöpft, dann werden wir viel Freude an ihm haben. Es liegt an ihm, dieses Potenzial anzuzapfen. Er arbeitet daran, und ich bin überzeugt, er wird es schaffen. Oder nehmen Sie einen Alain Wiss. Er wird am kommenden 21. August gerade mal 17 Jahre alt. Es macht Spass, mit solchen Jungen arbeiten zu können."
"Eine letzte Frage: Sie sollen als Spieler in der Bundesliga seinerzeit 1 Million Mark Schwarzgeld kassiert haben, hat Ihr ehemaliger Freund und Berater Martin Wiesner letzte Woche vor dem Landgericht Kaiserslautern ausgesagt."
"Nichts davon ist wahr. Martin hat offenbar noch eine offene Rechnung mit mir."
"Offenbar eine hohe Rechnung. Welche?"
"Weiss ich auch nicht. Aber es beunruhigt mich nicht."

August 13, 2007, 12:12 vorm.
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Kommentare

Kann es sein, dass doch etwas mit dem Transfer Sermeter schief lief? Ein weiteres Kapitel Fussball und Gügi. Oder warum habe ich keinen schlitzohrigen (Profi)Berater?

Kommentiert von: Travis | 15.08.2007 23:04:27

Lieber Herr Sforza

Geben Sie doch einfach zu, dass sie gegen GC sehr viel Glück hatten und Sie am Schluss mit Ihrer Mannschaft noch einen (unerwarteten) Punkt dank des Flop von Coltorti ergattern konnten...
GC wird schon noch kommen; lassen wir der Mannschaft Zeit. GC wird diese Saison bestimmt nicht um den Meistertitel mitspielen, das sieht auch Erich Vogel so.
Ihre Mannschaft, Herr Sforza, wird genauso noch viel Lehrgeld bezahlen müssen wie GC in dieser Saison. Aber höchstwahrscheinlich wird GC Ende Saison vor Ihrem FCL sein...

Kommentiert von: Didi | 14.08.2007 12:31:48

Ehe Latour geht, muss wohl der Röfe den Hut nehmen Vorausgestzt er verliert nochmal. Alles andere würde nicht den Mechanismen des modernen Fussballs entsprechen.

Bleibt zu hoffen, dass Chiumento endlich die Wunderdinge zeigt, die man von ihm gehört hat. Leider habe ich diese noch nie gesehen. Manchmal frage ich mich, ob er das ernst gemeint hat, dass er auch für Italien spielen könnte. Dort wäre er wohl nicht mal im 50iger Sichtungskader sofern die auch sowas haben. Nebenbei, was macht eigentlich Zambrella? Spielt der noch Fussball oder ist der abgetaucht?

Ein Fehler von Coltorti und die Schweiz hat wieder ein Torhüterproblem.

Am Sonntag ist Showdown in Zürich, es wird sich zeigen wie weit die Insekten wirklich sind. Eines ist sicher: Die Hüpfer sind schlechter platziert als sie spielen.

Kommentiert von: Ricci | 13.08.2007 18:49:26

Lieber Travis,

So klingt ein GC-Fan nachdem er von seiner Mannschaft bitterst entäuscht wurde. Ich hätte mir im Gästesektor des Allmendstadions auch die Augen gerieben! Nun, um zum eigentlichen Punkt zu kommen, dein Kommentar hat mit dem obigen Text etwa soviel zu tun wie die Grasshoppers mit dem FCZ. Lies den Text einfach nochmal.

Kommentiert von: Inferiore | 13.08.2007 15:11:56

exil-aargauer aus wohlen fahren, respektive fihren puch-maxi, haben Iron Maiden und Fussballclub-Aufnäher auf dem Jeans-Jäggli (ausgewaschen) - während WdG sicher ein Ciao hatte und einen Haarreifen trug("Sballo" nannte man das damals)...

Kommentiert von: | 13.08.2007 13:31:09

Lieber WdG, Lieber Ciri
Nach dem Hochmut folgen immer düstere Lektionen in Demut. Schadenfreude von Trainern zeigt nicht gerade von grosser Persönlichkeit. Und sind wir ehrlich, was der FCL an Fussballkunst geboten hat, war bitterste Kost. Sorry aber. Wer das live gesehen hat, gibt mir recht. Und dass der schöne Sonntagsschuss von Lustri (auf Einladung von GC) das Genick von GC gebrochen hat? Naja. Warum GC aufhört zu spielen, weiss auch nur der liebe Gott. Und die gelb-rote Karte gegen Mikari ist einfach nur lächerlich. Und Coltortis Aussetzer vom Jahr. Viel Pech. Und FCL hat gekämpft? Naja. Nach 70 Min. mal angenfangen zu laufen und zu tschutten. Aber immer noch trostlose Kunst. Bälle einfach Hoch in die GC Abwehrzone.

Kommentiert von: Travis | 13.08.2007 12:30:54

ähm, bin auch exil-aargauer aus wohlen, momentan in bern. aber den mit dem töff kapier ich nicht.

Kommentiert von: pitsch | 13.08.2007 12:25:43

Dieses Spiel und die anderen der jungen Saison zeigte einmal mehr, dass man die Torhüter im erweiterten Sichtungskader der Nati etwas genauer prüfen und Wechsel in Betracht ziehen sollte...

Kommentiert von: Goal-Torti | 13.08.2007 12:10:45

Ach, ach, ach, natürlich wird Latour die Saison überstehen. Er muss nur noch etwas dazulernen, wenn es ums Auswechseln geht. Was GC braucht, ist etwas Konstanz und ein bisschen weniger Pech. Das eine kann man bestimmen, das andere erzwingen, genau wie das Glück.

Kommentiert von: fortis | 13.08.2007 08:25:50

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