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16. Juni 2007

Lehrbeispiel: Ricardo Cabanas

Eigentlich wollte ich für ein paar Tage frei machen. Kein Fussball mehr, kein Blog, kurz mal durchlüften und andere Geschichten schreiben, zum Beispiel jene über diesen Schriftsteller, den ich in Italien getroffen habe. Ein beeindruckendes Buch hat er vorgelegt, jetzt auch auf Deutsch. Kulturchef Peer T. fragt gar nicht mehr nach, wann das Portrait endlich fertig ist.
Lieber Peer, ich hab mir wirklich vorgenommen, die Pendenzen abzubauen.
Und nun dies: Ricardo Cabanas im Tages-Anzeiger von heute.
Soviel Schwachsinn habe ich von einen Profifussballer schon lange nicht mehr gehört. Insofern passt er bestens zu GC.
Aber der Reihe nach: Es werde sicher Nörgler geben, die finden, er sei im Ausland zweimal gescheitert, sagt Cabanas dem Tagi-Kollegen Ueli Kägi (dem für diesen interessanten Artikel herzlich gedankt sei - das ist nicht ironisch gemeint!). Offensichtlich ist Cabanas vom Gegenteil überzeugt, was aber nichts daran ändert, dass er im Ausland (zuerst in Guingamp, dann in Köln) tatsächlich zweimal gescheitert ist. Das ist keine Nörgelei, sondern eine nüchterne Feststellung. Cabanas hat sich nicht durchsetzen können. Punkt.
Wenn die Grasshoppers in der kommenden Saison nur um Platz 6 hätten mitspielen wollen - wie von der neuen GC-Führung vor ein paar Wochen mitgeteilt -, dann hätte er einen Wechsel zu GC ausgeschlossen, sagt Cabanas weiter. Vor ein paar Tagen hatte Finanzier Heinz Spross "Platz 3 bis 5" als neues Ziel definiert. Also ist auch Platz 5 ein Ziel? Das macht die Sache natürlich radikal anders, 6 oder 5, das sind Welten. Für wie bescheurt hält GC die eigenen Fans eigentlich? Für wie bescheuert hält sie Cabanas?
Vielleicht sei er zu wenig egoistisch, um im Ausland erfolgreich Profi sein zu können, gibt Cabanas dem Tagi schliesslich zu Protokoll (also ist er doch gescheitert?). "Ich mache nicht alles mit und gehe nicht über Leichen, nur um meine Ziele zu erreichen." Nein, Leichen müssen es nicht gerade sein, aber ein paar schöne Spielzüge schon. Er könnte anfagen, wieder ordentlich Fussball zu spielen. Bevor er ins Ausland ging, hatte er es in der Schweiz ansatzweise gekonnt.
Zeit dazu hat er nun ja. GC wollte ihn bis 2017 an den Klub binden, er verpflichtete sich nur bis 2012 (wirkt geradezu bescheiden). Er möchte seine fünfmonatige Tochter in Zürich aufwachsen sehen, weil er diese Stadt liebe. Angenommen, Cabanas hätte sich diesen Winter auf der Ersatzbank in Köln nicht den Hintern abgefroren, angenommen, ein Klub wie Milan, Bayern oder Arsenal hätte ihm einen Vertrag angeboten, dann würde die fünfmonatige Tocher mit Sicherheit in Mailand, München oder London an ihrem Daumen nuckeln.
Cabanas hat das Zeugs dazu, ein guter Fussballer zu werden, aber er muss aufhören, sich selber zu betrügen. Man muss ihn - Kinder weghören - an den Eiern packen. Ob Trainer Latour das kann, ist fraglich, denn oft habe ich das Gefühl, dass man auch ihm an die Eier greifen müsste. Er ist in Köln ebenso gescheitert wie Cabanas. Beide stehen für das neue GC.
Hallo, aufwachen!

Juni 16, 2007, 03:21 nachm.
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Kommentare

hehe ... bei den ***** packen! mal gucken, da gibts ja noch den yakin, den grüter und den vogel. ersterer ist ne diva, zweiterer ein solider arbeiter und letzterer macht dem latour den posten als suppenkasper streitig. die streicheln sich alle gegenseitig die *****. besser, sie würden sich gegenseitig daran packen.

vielleicht beisst sich die katze ja in den schwanz, bei gc?

Kommentiert von: pitsch | 17.06.2007 23:40:35

Ja Cabanas ist zweimal im Ausland gescheitert. Meiner Meinung nach hat er zweimal sehr unglücklich seinen Verein ausgelesen. In Frankreich einen Klein(st)klub, der ähnlich wie der FC Thun kurz auf der *Erfolgswelle* ritt. Aber die Realität holt einem schnell ein. Und im Karnevallverein 1. FC Köln scheitern noch viele. Selbst ein Daum. Auch er wird es noch einsehen müssen. Oder war Daum bist jetzt erfolgreich?

Cabanas ist sicherlich nicht der klügste, aber auch nicht der dümmste Fussballer. Die Tabelle Ende Saison wird zeigen, wo GC klassiert ist. Saisonziele sind ausser bei Basel (ja selbst dort) nicht prognostizierbar.

Im Ausland wird von einem Söldner halt mehr erwartet als im Inland. Und ein Cabanas kann in einer funktionierenden Mannschaft ein Kämpfer und Vorbild sein. (Aber so ein Spieler braucht wohl ein erfolgreicher Verein nicht... ...und schon gar nicht als Söldner. Cabanas ist für GC dennoch ein Glücksfall. Hier kann er seine Stärke in seinem Umfeld ausspielen. Ich bin froh ist er zurück. Ein kämpferisches Vorbild. (PS: Was Daum u.a. mit Cabanas in Köln gemacht hat, war nicht in Ordnung. Und so schlecht hat Cabanas in Köln nicht gespielt - jedenfalls dann, wo ich die Spiele gesehen habe.

Kommentiert von: donstufi | 16.06.2007 16:08:42

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