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22. April 2007

Balakov: lame duck

Für einmal hätte man heute im Hardturm das Spiel rückwärts verfolgen müssen, das heisst mit dem Rücken zum Spielfeld und den Blick gerichtet auf die Haupttribüne. Nicht das Resultat zwischen GC und St. Gallen interessierte (1:1, nebenbei), sondern wer mit wem im ersten Spiel nach der Ära Balakov tuschelt.
Krassimir Balakov bezieht zwar immer noch seinen Lohn als GC-Trainer, und immer noch sitzt er auf der Trainerbank, doch seit Donnerstag (neue GC-Führung) ist er, was die Amerikaner (die normalerweise auf Truthahn stehen), im politischen System "lame duck" nennen, lahme Ente.
Eine lahme Ente ist lahm und entsprechend passiv sollte sich eine solche Ente verhalten. In den USA findet die Präsidentschaftswahl jeweils am ersten Montag im November, die Amtseinführung hingegen erst am 20. Endenbraten
Januar statt (das hat irgendein Chnuschpi mal so entschieden, keine Ahnung wieso). Wird ein Präsident nicht wiedergewählt (z.B. Papa-Bush 1992) oder muss er von Gesetzes wegen nach der zweiten Amtsperiode zurücktreten (z. B. Baby-Bush 2008), dann bleibt der Nichtwiedergewählte bis zur Amtseinführung des Neugewählten fast zehn Wochen im Amt. In dieser Übergangszeit wird von der lahmen Ente erwartet, dass sie keine wichtigen Entscheide mehr fällt. Neueinstellungen im Supreme Court (Oberster Gerichtshof) sind ebenso Tabu wie wichtige Personalentscheide in der Administration (Regierung).
Das amerikansiche Verfassungssystem hat für GC zwei Konsequenzen:
1. Balakov sollte so tun, als wollte er zuhause Zwiebeln setzen und gleichzeit schon mal den Zügelwagen bestellen.
2. Möglichst schnell Primaries (Vorwahlen) organisieren.
Der Wunschkandidat von Sportchef Erich Vogel ist Murat Yakin. Yakins technisches Problem: Er hat die nötigen Trainerdiplome nicht. Muris eigentliches Problem. Er ist ein Intrigant. Ich habe keine Beweise für diese Behauptung, weil ich jetzt grad keine Zeit habe, nach solchen Beweisen zu suchen. Aber im Fall von Muri ist das kein Problem. Er nannte Johann Vogel einen "kleinen, bösen Intriganten", aber Beweise für seine Behauptung hat er bis dato keine vorgelegt, also gehe ich davon aus, dass man das einfach so sagen kann. Zugegeben, Muri ist ein sympathischer Intrigant.
Ganz böse Zungen behaupten, auch Erich Vogel sei ein Intrigant (allerdings ein etwas weniger sympathischer als Muri) und drum würden Sportchef Erich und Trainer Muri bestens zusammenpassen.
Ich konnte heute kurz vor Ende des Spiels GC-St-Gallen mit dem Mann reden, der letztlich die Premaries aber gewinnen könnte, also mit Ciriaco Sforza, dem derzeitingen Übergangstrainer von Luzern. Er war im Hardturm zu Gast, Sektor A:
"Ciri, was hast Du bei Luzern für einen Vertrag?" (Auf Italienisch dutzt man sich auch auf Schweizerdeutsch)
"Ich kann jederzeit aus dem Vertrag aussteigen."
"Wann hast Du alle nötigen Trainerdiplome?"
"Im Juni."
Die Frage, ob er schon Kontakt aufgenommen hat mit GC oder GC mit ihm, verneint er, logo, was natürlich nicht stimmt, denn Sportchef Vogel wäre blöd, würde er sich die Option Sforza nicht offen halten, wenn das mit Muri nicht klappen sollte.
Also, diese Recherche hat mich eine Spongebob-Schwammkopf-DVD gekostet (ich habe damit meinen 7-jährigen Sohn Max bestochen, der nach dem letzten Betablocker GC-Schaffhausen nicht mehr mit ins Stadion wollte, was geheissen hätte, dass ich für viel mehr Geld meine Frau hätte bestechen müssen, damit sie am Samstag auf den Kleinen aufpasst, und da ich grad knapp bei Kasse bin, weil ich mir heute grad eine Moto Guzzi gekauft habe, hätte ich wahrscheinlich aufs Spiel verzichtet und wäre zuhause geblieben und hätte somit alles verpasst, was ich nun herausgefunden habe und extrem interessant finde).
Ich fahre morgen mal kurz in die Ferien, übrigens, aber bleibe online.
P.S. Ich habe im Hardturm heute auch Tagi-Sportchef Fredy Wettstein getroffen, der mir mit dem Anwalt drohte, weil ich im Matchbericht (Nationalmannschaft der Schweizer Sportjournalisten gegen Fifa-Weltauswahl, Blog vom 18.4.) geschrieben habe, er sei nach zwei Paraden im Tor "ohne fremde Hilfe" wieder zweimal aufgestanden, dabei waren es vielleicht sogar dreimal, drum möchte ich hier sozusagen im Sinne einer aussergerichtlichen Einigung und in tiefster Verbeugung auf die "SonntagsZeitung" von morgen verweisen, auf den Sportteil insbesondere und den Artikel über Erich Vogel und die Hintergründe, die zu dessen vermeintlich überraschenden Ernennung geführt haben. Kauft die "SonntagsZeitung", nicht den "Sonntagsblick", liebe Blogger. Danke.
(Isch guet so, Fredy?)

April 22, 2007, 02:02 vorm.
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