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30. April 2007

Fisch statt Fussball

Ja, Valon Behrami wurde im Römer Derby von gestern ausgewechselt. Weil er sich verletzt hatte. Vermutlich, weil sein Gegner Mancini ihm eine Halbzeit lang um die Ohren gerannt war. Stimmt also, was der Tagi über das Spiel schrieb, wenn stimmt, was die Zeitungen in Italien über das Spiel schrieben. Ins Olympia-Stadion war ich am Sonntag selber nicht gegangen, da ich Fisch hatte am Lago di Bracciano, wo ich noch ein paar wenige Tage Ferien mache - bei Hanne, Carletto, Raffaele, Mo und Irene (Mo und Irene haben mir eine Flasche Wein versprochen, jedesmal, wenn ich sie namentlich im Blog erwähne).
Auch Behrami hatte mir zu trinken versprochen, wenn ich ihn in Rom mal besuchen würde (das war vor jenem famosen Interview in diesem Blog, also vor Behramis Attentat auf die Person Köbi Kuhns mit dem Slogan "Schuelreisli" und dem Ziel, die Autorität der Person Köbi Kuhns in subversiver Weise zu untergraben wie seinerzeit der Anarchist Bakunin, als dieser in selbiger Manier Attentate mit dem Slogan "Propaganda der Tat" vorbereitete mit dem Ziel, die Autorität des damaligen Russen-Trainers zu untergraben, was ihm zwar nicht gelang, aber später musste Zar Sowieso sein Traineramt dann doch abtreten an einen Schweizer Exilrussen namens Ulianov, der im Zürcher Cafè Odeon soviel sauffte, dass die Behörden ihn im plombierten Zugsabteil durch das Wilhelminische Deutschland fuhren und nach Russland ausschafften, wo er ein ebenso bekannter wie umstrittener Nationaltrainer werden sollte). Als ich Behrami, wie angekündigt, im Trainingscamp von Lazio in Formello bei Sordi_e_spaghettiRom besuchen ging, gab's dann aber weder Kaffee noch ein zweites Interview. Valon sei gerade in der Massage, danach in der Teamsitzung und überhaupt, sagte Lazios Pressesprecherin Cristina, Behrami habe im Moment keine Zeit, über die Schweizer Nationalmannschaft zu reden. Er stecke mitten in der Vorbereitung auf das Derby. Auch darum habe ich am Sonntag den Fisch dem Fussball vorgezogen (und später einen Teller bucatini all'amatriciana nachgeschoben). Ich war ganz entspannt, denn ich wusste, dass Behrami die Lektion gelernt hatte: Die Wahrheit sagen, darf er nicht. Lügen, mag er nicht. Bleibt das Schweigen.

April 30, 2007, 10:49 nachm.
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25. April 2007

Wohin mit dem Ball?

Es ist ein fantastischer Abend, Sternenhimmel, milde 24 Grad um halb zehn am Abend, am Lago di Bracciano, nördlich von Rom. Mo und Irene, die Gastgeber, vor zwei Jahren von Hongkong hergezogen, er ein erfolgreicher Bänker, sie Psychologin, hatten beide die Nase voll von Entenbrust und Glasnudeln und kauften dieses Stück Land mit Seeanstoss, ein Garten so gross, dass man locker einen Fussballplatz daraus machen könnte (was leider nicht geschehen wird). Fünf Frauen, zwei Männer, das die unfaire Ausgangslage für die Diskussion, welcher ich mich mit diesem Blog kurzfristig entziehe. "Female Brain", das weibliche Gehirn, so der Titel eines erfolgreichen Buches, das eine der Frauen, Hanne, zurzeit liest (sie war in L.A. zu Besuch bei meiner Kollegin Beatrice Schlag, die ihr natürlich das Buch wärmsten empfahl). Im Moment steht es 5:2 für die Frauen oder anders: Männer stehen in der Evolutionsleiter den Affen näher als dies Frauen tun. Darum sind wir auch Fussballangefressen, stehen auf schnelle Autos, trinken Bier (also alles Dinge, die auch die Affen machen). Meine Frau hält gerade einen Monolog über die Dumpfbacken, die von ihren Sitzen hochspringen, wenn ein anderer Dumpfbacke ein Tor schiesst.
Zugegeben, gestern bin ich zweimal hochgesprungen (als Kaka gegen Manchester United buchte), dreimal bin ich sitzengeblieben, am Ende hiess es 3:2 für ManU gegen Milan. Und doch schwärmten die Gazetten auch heute vom "Maradona"-Tor Messis, dem Kleinen von Barcelona, der letzte Woche etwa 17 Gegner umspielte, bevor er den Ball ins Tor schlenzte. "Ich wusste nicht, wem ich den Ball zuspielen sollte", antwortete Messi auf die Frage, wie er nur auf die Idee gekommen war, so ein Tor zu schiessen.
Ich frage mich: Wieso sieht es immer anders aus, wenn die Schweizer Nationalspieler nicht wissen, wem sie den Ball zuspielen sollen?
Time out is over, ich muss zurück an den Tisch. Morgen gehe ich kurz mal bei Valon Behrami vorbei, der wohnt gleich hier um die Ecke. Am Wochenende findet das Römer Derby statt, mit dem Schweizer Internationalen in der Startformation für Lazio. Immerhin, hier hat er einen Stammplatz.

April 25, 2007, 10:48 nachm.
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22. April 2007

Balakov: lame duck

Für einmal hätte man heute im Hardturm das Spiel rückwärts verfolgen müssen, das heisst mit dem Rücken zum Spielfeld und den Blick gerichtet auf die Haupttribüne. Nicht das Resultat zwischen GC und St. Gallen interessierte (1:1, nebenbei), sondern wer mit wem im ersten Spiel nach der Ära Balakov tuschelt.
Krassimir Balakov bezieht zwar immer noch seinen Lohn als GC-Trainer, und immer noch sitzt er auf der Trainerbank, doch seit Donnerstag (neue GC-Führung) ist er, was die Amerikaner (die normalerweise auf Truthahn stehen), im politischen System "lame duck" nennen, lahme Ente.
Eine lahme Ente ist lahm und entsprechend passiv sollte sich eine solche Ente verhalten. In den USA findet die Präsidentschaftswahl jeweils am ersten Montag im November, die Amtseinführung hingegen erst am 20. Endenbraten
Januar statt (das hat irgendein Chnuschpi mal so entschieden, keine Ahnung wieso). Wird ein Präsident nicht wiedergewählt (z.B. Papa-Bush 1992) oder muss er von Gesetzes wegen nach der zweiten Amtsperiode zurücktreten (z. B. Baby-Bush 2008), dann bleibt der Nichtwiedergewählte bis zur Amtseinführung des Neugewählten fast zehn Wochen im Amt. In dieser Übergangszeit wird von der lahmen Ente erwartet, dass sie keine wichtigen Entscheide mehr fällt. Neueinstellungen im Supreme Court (Oberster Gerichtshof) sind ebenso Tabu wie wichtige Personalentscheide in der Administration (Regierung).
Das amerikansiche Verfassungssystem hat für GC zwei Konsequenzen:
1. Balakov sollte so tun, als wollte er zuhause Zwiebeln setzen und gleichzeit schon mal den Zügelwagen bestellen.
2. Möglichst schnell Primaries (Vorwahlen) organisieren.
Der Wunschkandidat von Sportchef Erich Vogel ist Murat Yakin. Yakins technisches Problem: Er hat die nötigen Trainerdiplome nicht. Muris eigentliches Problem. Er ist ein Intrigant. Ich habe keine Beweise für diese Behauptung, weil ich jetzt grad keine Zeit habe, nach solchen Beweisen zu suchen. Aber im Fall von Muri ist das kein Problem. Er nannte Johann Vogel einen "kleinen, bösen Intriganten", aber Beweise für seine Behauptung hat er bis dato keine vorgelegt, also gehe ich davon aus, dass man das einfach so sagen kann. Zugegeben, Muri ist ein sympathischer Intrigant.
Ganz böse Zungen behaupten, auch Erich Vogel sei ein Intrigant (allerdings ein etwas weniger sympathischer als Muri) und drum würden Sportchef Erich und Trainer Muri bestens zusammenpassen.
Ich konnte heute kurz vor Ende des Spiels GC-St-Gallen mit dem Mann reden, der letztlich die Premaries aber gewinnen könnte, also mit Ciriaco Sforza, dem derzeitingen Übergangstrainer von Luzern. Er war im Hardturm zu Gast, Sektor A:
"Ciri, was hast Du bei Luzern für einen Vertrag?" (Auf Italienisch dutzt man sich auch auf Schweizerdeutsch)
"Ich kann jederzeit aus dem Vertrag aussteigen."
"Wann hast Du alle nötigen Trainerdiplome?"
"Im Juni."
Die Frage, ob er schon Kontakt aufgenommen hat mit GC oder GC mit ihm, verneint er, logo, was natürlich nicht stimmt, denn Sportchef Vogel wäre blöd, würde er sich die Option Sforza nicht offen halten, wenn das mit Muri nicht klappen sollte.
Also, diese Recherche hat mich eine Spongebob-Schwammkopf-DVD gekostet (ich habe damit meinen 7-jährigen Sohn Max bestochen, der nach dem letzten Betablocker GC-Schaffhausen nicht mehr mit ins Stadion wollte, was geheissen hätte, dass ich für viel mehr Geld meine Frau hätte bestechen müssen, damit sie am Samstag auf den Kleinen aufpasst, und da ich grad knapp bei Kasse bin, weil ich mir heute grad eine Moto Guzzi gekauft habe, hätte ich wahrscheinlich aufs Spiel verzichtet und wäre zuhause geblieben und hätte somit alles verpasst, was ich nun herausgefunden habe und extrem interessant finde).
Ich fahre morgen mal kurz in die Ferien, übrigens, aber bleibe online.
P.S. Ich habe im Hardturm heute auch Tagi-Sportchef Fredy Wettstein getroffen, der mir mit dem Anwalt drohte, weil ich im Matchbericht (Nationalmannschaft der Schweizer Sportjournalisten gegen Fifa-Weltauswahl, Blog vom 18.4.) geschrieben habe, er sei nach zwei Paraden im Tor "ohne fremde Hilfe" wieder zweimal aufgestanden, dabei waren es vielleicht sogar dreimal, drum möchte ich hier sozusagen im Sinne einer aussergerichtlichen Einigung und in tiefster Verbeugung auf die "SonntagsZeitung" von morgen verweisen, auf den Sportteil insbesondere und den Artikel über Erich Vogel und die Hintergründe, die zu dessen vermeintlich überraschenden Ernennung geführt haben. Kauft die "SonntagsZeitung", nicht den "Sonntagsblick", liebe Blogger. Danke.
(Isch guet so, Fredy?)

April 22, 2007, 02:02 vorm.
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20. April 2007

Erich Vogel am Telefon

Das Interview kann nicht Interview heissen, obwohl es ein Interview ist, weil es offiziell noch keine Interviews geben darf, im Moment. Ist ein bisschen kompliziert, aber absolut präzis formuliert, denn man muss schaurig aufpassen bei solchen Sachen. Ich nenne das Interview mit Erich Vogel, das ich heute am Telefon mit Erich Vogel geführt habe, vorsichtshalber also einfach "Erich Vogel am Telefon" (auch Bezeichnungen wie "Gespräch" oder "Smalltalk" wären juristisch verfänglich, wie mir die III. Kammer der "Weltwoche"-Rechtsabteilung, Sektion Sport & Brauchtum, sagte). Aber nun zum Interview:
"Herr Vogel, wieso tun Sie sich das an?" (Für die wenigen Fans, die es verpasst haben: Der ehemalige Sportchef und Manager von GC, Erich Vogel, hört als TV-Experte auf, um sich als Vize-Präsident von GC wieder um die sportliche Zukunft der Zürcher Grasshoppers zu kümmern.)
Schuss_in_einer"Ein Kreis schliesst sich. Ich habe als Junior bei GC angefangen und als Spieler alle Stationen durchlaufen. Mit der ersten Mannschaft von GC habe ich nur drei Freundschaftsspiele bestritten, aber dann habe ich als Trainer gearbeitet, als Manager und Sportchef. Das Amt des Vize-Präsidenten ist drum die logische Folge dieser Entwicklung. Ich habe keine Sekunde gezögert, als das Angebot kam."
"Sie waren der einzige TV-Experte, der was zu sagen hatte. Dran haben Sie nicht gedacht?"
"Wir werden einen neuen TV-Experten aufbauen." (Er lacht, als er dies sagt, also vielleicht meint er es nicht so ernst, nehme ich an."
"Herr Vogel, nebenbei, meine Kollegen von der "Weltwoche"-Redaktion haben mich gebeten, Sie zu fragen, ob wir Sie in diesen Tagen vielleicht interviewen drüften. Hätten Sie Zeit und Lust dazu?"
"Ich würde der "Weltwoche" sehr gerne ein Interview geben, aber im Moment kann ich noch nichts sagen. Ich bin erst seit heute im Amt."
Die_profis"Sie kennen GC in- und auswendig."
"Ja, das tue ich, aber ich kann trotzdem noch nichts sagen, bevor ich mir nicht ein Bild gemacht habe von der aktuellen Situation bei GC."
"Der scheidende GC-Präsident Brunner sagte an der Pressekonferenz, alles sei in Butter. Es sei der richtige Zeitpunkt, als Präsident zurückzutreten, weil GC schuldenfrei sei und somit auf Kurs."
"Ich habe noch keine Bücher eingesehen. Man hört alles - von einer ausgeglichenen Bilanz bis zu 15 Millionen Franken Schulden. In den nächsten Wochen werden wir mehr wissen."
"Ich hab's gestern im Blog geschrieben, ohne aber den Grund zu wissen, nämlich, dass erst am 10. Mai offiziell bekannt gegeben wird, wie es mit GC weiter geht. Wieso dieses Datum?" (Jahrestag? Geburtstag? Ist mir als interessante Suggestivfrage erst nach dem Telefonat in den Sinn gekommen.)
"Heinz Spross, der neue Finanzchef, Präsident Roger Berbig und ich haben uns ein Datum gesetzt. Bis dann wollen wir Klarheit geschafft haben. Es ist ein zufälliges Datum."
Rasenmaher"Ich habe auch geschrieben, Murat Yakin wird neuer Trainer. Stimmt das?"
"Wie gesagt, ich kann nichts sagen, oder sonst müsste ich Sie anlügen. Und das will ich nicht. Im Moment ist Balakov Trainer. Ich hatte noch gar nicht Zeit, mit ihm zu reden."
"Was haben Sie mit GC vor?"
"In vier Jahren, wenn wir das neue Stadion haben, wollen wir wieder zu den Topklubs gehören."
"Die Nummer eins der Schweiz?"
"Ich sage zu den Topklubs."
"Ziel für GC kann nur sein, wieder Nummer eins zu sein."
"Und was machen Sie, wenn der FC Basel 100 Millionen investiert?"
"Werden Sie übers Wochenende Interviews geben?"
"Nein, ich glaube nicht. Ich werde vorderhand niemandem ein Interview geben, denn sonst müsste ich alle Zeitungen berücksichtigen. Ich werde von Anfragen überhäuft."
"Ich will nicht insistieren, danke für das Telefonat."
"Gern geschehen, aufwiederhören."

April 20, 2007, 01:05 vorm.
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19. April 2007

Nicht so trotzig, Kollegen

Mit Ausnahme des "Blicks" haben heute alle Zeitungen meinen Blog von gestern anonym oder autonom aufgenommen. Wie es im Gegensatz zum Blog für seriöse Zeitungen gehört, allerdings im Konditional oder in Frageform. Könnte Erich Vogel neuer Sportchef bei GC werden? Murat Yakin vielleicht neuer Trainer? Alles nur Gerüchte?
Ich sage gern nochmal, was ich gestern schon gesagt habe: Ja, Vogel wird Sportchef, ist schon beschlossene Sache, aber offiziell dürfen die Hoppers bis zum 10. Mai noch nicht damit raus (warum, weiss ich auch nicht). Und, ja, mein Freund Muri ist der Wunschtrainer von Vogel (sonst halt Ciriaco Sforza). Dass ausgerechnet die Kollegen vom "Blick" nichts darüber zu berichten wissen, ist erstaunlich, mag den Leserschwund der einst stärksten Zeitung aber nur bedingt erklären. Wie auch immer, lieber Marc Walder: Nicht so trotzig, dran bleiben und Blog lesen. Alle haben mal eine Geschichte verpasst (gut, vielleicht nicht grad am Anfang einer Neuanstellung).

April 19, 2007, 10:42 vorm.
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Wenn der Orkan bläst

Ich mache es kurz: Ja, die Nationalmannschaft der Schweizer Sportjournalisten (NSSJ) hat überraschend verloren und eigentlich auch unfairerweise, denn wenn wir mehr Tore erzielt hätten, hätten wir gewonnen.
Allerdings: Es war nur ein Testspiel, und wie wir seit dem Testspiel der Schweiz gegen Kolumbien im Trainingslager in den USA dank Köbi Kuhn wissen, sind Testspiele zum testen da.
Am Dienstagabend testeten wir gegen die starke Weltauswahl der Fifa (u.a. mit ihrer Nummer 10, Andreas "Maradona, die Walze" Werz) zu erst einmal unsere Beweglichkeit. Beim Mannschaftsfoto zu Beginn des Spiels schafften es die Beweglichsten von uns in die Hocke.
Ponstan_2Tagi-Sportchef Fredy Wettstein gelangen in der ersten Halbzeit zwei Paraden, und beide Male konnte er ohne fremde Hilfe wieder aufstehen. Was für andere Dulix, ist für Fredy Ponstan. Fredy hat keine Kniegelenke mehr, aber Leidenschaft. Zur Pause lagen wir 0:2 in Rückstand.
Dann kam unser Joker Ratinho, der mit Kaiserslautern in der Bundesliga einst Meister geworden war. Er schoss zu Beginn der zweiten Halbzeit den Anschlusstreffer. Wie versprochen wollte auch ich ein Tor erzielen; einmal scheiterte ich halbrechts aus kurzer Distanz nach genialem Pass von Spielertrainer Peter Birrer (Neue Luzerner Nachrichten) am hervorragenden Torhüter der Weltauswahl, einmal von Ost-Südost kommend aus circa 17 bis 41 Metern (präzise Koordinaten sind mit Kontaklinsen bei Flutlicht nicht möglich) nach einer von Rainer Meier (Axpo, Ex-FC-Frick) ausgelösten Angriffswelle. Beim dritten und letzten Versuch stand ich in optimaler Position in des Gegners Strafraum. Ratinho hatte dirigiert: "Lange, in Mitte geh!" Doch der schlaue Ratinho benützte mich nur als geschicktes Alibi, um den Freistoss (der pfeilschnelle Andrea Naegli von Sat1/Teleclub hatte nur unfair gestoppt werden können) direkt aufs Tor zu schiessen - der Ball flog knapp an die Unterkante des Auffanggitters hinter dem Tor.Pele_fallruckzieher_2
Felix Bingesser (Sportchef der Aargauer Zeitung und Präsident der NSSJ) hatte das Pech, dass immer dort, wo er gerade zu einem Sprint ansetzen wollte, ihm jeweils "ein Orkan blasen entgegen" (Ratinho), er also irgendwie nicht vom Fleck kam, doch ehrlich gesagt, in der zweiten Halbzeit blies uns allen ein Orkan entgegen.
1:4 verloren die Sportjournalisten, womit einmal mehr bestätigt wäre, dass Schreiben einfacher ist. Beim anschliessenden Nachtessen, von der Fifa gesponsert (die Credit Suisse hatte die Dresses freundlicherweise geliefert), dankte uns der Delegierte der Weltauswahl für das faire Spiel. "Es ist unser erster Sieg dieses Jahr." Als Delegierter der Nationalmannschaft bedankte ich mich für das Essen. Gibt's nächstes Mal auch noch ein Dessert dazu, könnten wir der Fifa vielleicht auch noch einen zweiten Sieg schenken. Wir werden es im Mannschaftsrat besprechen.
Wir Journalisten sind zwar käuflich, aber unter einem gewissen Preis geht nichts. Sonst gewinnen wir wieder und zahlen das Essen dann halt selbst.
Argentinien_mit_taschen_2P.S. Indianer kennen keine Schmerzen, heisst es. Nur dumm, sind wir keine Indianer. Konnte heute zwar aufs Klo sitzen, aber dann kaum mehr aufstehen. Haben die mich blöd angeschaut im "Terrasse", als ich die Toilette nicht mehr verliess. Aber hat Spass gemacht, Jungs. Das nächste Spiel, vermutlich gegen die Kollegen aus Südamerika (im Vorfeld von Schweiz-Argentinien am 2. Juni), wird sicher leichter. Easy, wie das nächste Testspiel für Köbi Kuhn.

April 19, 2007, 12:34 vorm.
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18. April 2007

Sternenhimmel, so gross.

Es gibt in der Schweiz keine Designer, keine Architekten und keine Fussballer, sondern nur Star-Designer, Star-Architekten und Star-Fussballer.
Die Schweiz ist das Land mit der höchsten Dichte an Ex-Missen bei sogenannten Promi-Partys, das einzige Land, in welchem nicht nur Wetternachrichtensprecherinnen, sondern auch TV-Sportkommentatoren und die Geschwister von TV-Sportkommentatoren zur Porminenz gehören ("Blick" vom 4. 12. 2006: "Sex, Drugs & Rock'n'Roll: Wie haltens Promis damit?" An der Premiere des Musical «We Will Rock You» unter anderem dazu befragt: der unbekannte Andreas Rufer, bekannt, weil Bruder von Sportkommentator Sascha Rufer.)
Star_treckZugegeben, es ist eine Marotte unserer Branche, die Bezeichnung "Star" inflationär zu verwenden. Eine Karaoke-Sängerin wird kurzfristig zum MusicStar und danach längerfristig wieder zur Karaoke-Sängerin (etwas verlogen wirkt drum die Frage des "Blicks" von heute: Erinnern sie sich noch an Sandra W.? Gemeint ist die Ex-Standesbeamtin, Vize-MusicStar Sandra Wild, die von selbiger Zeitung über Wochen zum Star hochgeschrieben worden war).
Vor allem im Fussball gibt es heute nur noch Stars. Ricardo Cabanas sass in der zweiten Bundesliga bei Köln oft auf der Bank, hierzulande wurde aber weiterhin vom Köln-Star Cabanas gesprochen. Jüngstes Beispiel: der 18-jährige Remo Staubli. Der Nachwuchsspieler des FCZ erzielte am letzten Sonntag gegen Sion den 2:1-Siegestreffer. Am nächsten Tag konnte man in verschiedenen Zeitungen vom neuen FCZ-Star lesen.
Irgendwann glauben die vermeintlichen Fussball-Stars tatsächlich Fussball-Stars zu sein.
Drum mein Tipp an die Stars: Nicht immer glauben, was die Zeitungen schreiben und zur Abwechslung mal wie Stars spielen, sich nicht bloss wie Stars fühlen.
Ich werde meinerseits geloben, das Wort "Star" bis zur EM 2008 nicht mehr zu verweden, Ehrenwort
Man hilft, wo man kann, halt.

April 18, 2007, 11:59 vorm.
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Erich Vogel neuer Sportchef

Da es zur Nationalmannschaft derzeit nichts Amüsantes zu berichten gibt, zur Abwechslung Internas der Grasshoppers. Es ist streng geheim, drum hier im Blog: 1. Neuer Sportchef bei GC wird der alte Sportchef Erich Vogel. 2. GC-Trainer Krassimir Balakov wird durch Vogels Wunschkandidat Murat Yakin ersetzt. Mal schauen, wie lange es dauert, bis der "Blick" den Primeur als eigene Titelgeschichte verkauft. Diese Recherche hat mich drei Mojitos, vier Bier und ein Versprechen gekostet (nämlich nichts zu sagen). Hoffe, es hat sich gelohnt (was mich bei Bestätigung der Nachricht nochmals ein Nachtessen kosten würde). P.S. Um einem Strafverfahren der Militärjustiz (wegen Veröffentlichung streng geheimer Dokumente zur Destabilisierung der nationalen Sicherheit) vorzubeugen, sei hier festgehalten, dass es sich um nicht genannt sein wollende Quellen handelt, die nicht genannt sein wollen bleiben wollen, was die Militärrichter ja glücklicherweise auch so sehen. Der Freispruch in Zusammenhang mit der Fax-Affäre "Sonntagsblick"/Nachrichtendienst von gestern beruhigt mich sehr. Saluti, comandante.

April 18, 2007, 10:39 vorm.
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15. April 2007

Guet Nacht am halb föifi

Es mag an der Bratwurst gelegen haben, an der kurzen Nacht und dem langen Durst am Tag zuvor, an der Sonne vielleicht auch, jedenfalls bin ich heute Nachmittag irgendwann ab der 30. Minute im Spiel GC-Schaffhausen auf der Tribüne eingenickt (also so ab 16.30 Uhr). Ich mag mich nicht erinnern, wann mir das je passiert ist. Max, mein 7-Jähriger Sohn, hat mich geweckt, als er kurz vor der Pause auf die Toilette musste. Hätte es nicht er getan, hätten mich die Pfiffe der Zuschauer vom Strand in Italien zurückgeholt, als Frau SR Petignat die erste Halbzeit beendete, worauf beide Mannschaften auf der Stelle das Gekicke gnädigerweise für eine Viertelstunde unterliessen.
Schlafen_moffenem_mund_2Als die Spieler wieder aus der Kabine kamen, lag ich im Schatten einer Tanne im Gemeinschaftszentrum GZ Wipkingen, nicht weit vom Hardturm entfernt an der Limmat, und konnte ohne schlechtes Gewissen weiterdösen. Max fand die Meerschweinchen im GZ-Kinderzoo spannender als der GC-Kinderzoo auf dem Hardturmrasen, mir fehlten die Argumente, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Vorderhand will er nicht mehr mit ins Stadion. Es soll dann doch noch sowas wie Fussball gespielt worden sein, in der zweiten Halbzeit, hörte ich im Radio. Die Grasshoppers verloren gegen Schlusslicht Schaffhausen 1:2.
Auf dem Weg von GC zum GZ waren mir erstmals Zweifel gekommen: Und wenn die Krise der Schweizer Nationalmannschaft nicht nur mit Köbi Kuhn zu erklären wäre? Liegt's an den Spielern, womöglich?
Der Betablocker im Hardturm ist mir auf alle Fälle brutal eingefahren, mehr als seinerzeit das Viagra im WM-Final in Deutschland, aber das ist eine andere Geschichte.
Heute wars eine depremierende Sache: Guet Nacht am halb föifi.
Kann der Gastgeber einer EM eigentlich forfait geben?

April 15, 2007, 11:55 nachm.
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Österreich-Schweiz: 8:1

Die spektakulärste Nachricht in Zusammenhang mit der Euro 2008 las ich heute in der "NZZ am Sonntag". Der österreichische Fiskus werde aus dem Verkauf der EM-Tickets achtmal mehr Steuern einnehmen als die Schweiz, heisst es, da unterschiedliche Mehrwertsteuersätze angewendet werden. In der Schweiz werden Tickets mit 2,4 Prozent besteuert, in Österreich mit 20 Prozent.
Österreich gewinnt gegen die Schweiz somit 8:1.
Zu diesem Kantersieg gratulieren wir den österreichischen Steuerzahlern recht herzlich.

April 15, 2007, 10:53 nachm.
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