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20. April 2007

Erich Vogel am Telefon

Das Interview kann nicht Interview heissen, obwohl es ein Interview ist, weil es offiziell noch keine Interviews geben darf, im Moment. Ist ein bisschen kompliziert, aber absolut präzis formuliert, denn man muss schaurig aufpassen bei solchen Sachen. Ich nenne das Interview mit Erich Vogel, das ich heute am Telefon mit Erich Vogel geführt habe, vorsichtshalber also einfach "Erich Vogel am Telefon" (auch Bezeichnungen wie "Gespräch" oder "Smalltalk" wären juristisch verfänglich, wie mir die III. Kammer der "Weltwoche"-Rechtsabteilung, Sektion Sport & Brauchtum, sagte). Aber nun zum Interview:
"Herr Vogel, wieso tun Sie sich das an?" (Für die wenigen Fans, die es verpasst haben: Der ehemalige Sportchef und Manager von GC, Erich Vogel, hört als TV-Experte auf, um sich als Vize-Präsident von GC wieder um die sportliche Zukunft der Zürcher Grasshoppers zu kümmern.)
Schuss_in_einer"Ein Kreis schliesst sich. Ich habe als Junior bei GC angefangen und als Spieler alle Stationen durchlaufen. Mit der ersten Mannschaft von GC habe ich nur drei Freundschaftsspiele bestritten, aber dann habe ich als Trainer gearbeitet, als Manager und Sportchef. Das Amt des Vize-Präsidenten ist drum die logische Folge dieser Entwicklung. Ich habe keine Sekunde gezögert, als das Angebot kam."
"Sie waren der einzige TV-Experte, der was zu sagen hatte. Dran haben Sie nicht gedacht?"
"Wir werden einen neuen TV-Experten aufbauen." (Er lacht, als er dies sagt, also vielleicht meint er es nicht so ernst, nehme ich an."
"Herr Vogel, nebenbei, meine Kollegen von der "Weltwoche"-Redaktion haben mich gebeten, Sie zu fragen, ob wir Sie in diesen Tagen vielleicht interviewen drüften. Hätten Sie Zeit und Lust dazu?"
"Ich würde der "Weltwoche" sehr gerne ein Interview geben, aber im Moment kann ich noch nichts sagen. Ich bin erst seit heute im Amt."
Die_profis"Sie kennen GC in- und auswendig."
"Ja, das tue ich, aber ich kann trotzdem noch nichts sagen, bevor ich mir nicht ein Bild gemacht habe von der aktuellen Situation bei GC."
"Der scheidende GC-Präsident Brunner sagte an der Pressekonferenz, alles sei in Butter. Es sei der richtige Zeitpunkt, als Präsident zurückzutreten, weil GC schuldenfrei sei und somit auf Kurs."
"Ich habe noch keine Bücher eingesehen. Man hört alles - von einer ausgeglichenen Bilanz bis zu 15 Millionen Franken Schulden. In den nächsten Wochen werden wir mehr wissen."
"Ich hab's gestern im Blog geschrieben, ohne aber den Grund zu wissen, nämlich, dass erst am 10. Mai offiziell bekannt gegeben wird, wie es mit GC weiter geht. Wieso dieses Datum?" (Jahrestag? Geburtstag? Ist mir als interessante Suggestivfrage erst nach dem Telefonat in den Sinn gekommen.)
"Heinz Spross, der neue Finanzchef, Präsident Roger Berbig und ich haben uns ein Datum gesetzt. Bis dann wollen wir Klarheit geschafft haben. Es ist ein zufälliges Datum."
Rasenmaher"Ich habe auch geschrieben, Murat Yakin wird neuer Trainer. Stimmt das?"
"Wie gesagt, ich kann nichts sagen, oder sonst müsste ich Sie anlügen. Und das will ich nicht. Im Moment ist Balakov Trainer. Ich hatte noch gar nicht Zeit, mit ihm zu reden."
"Was haben Sie mit GC vor?"
"In vier Jahren, wenn wir das neue Stadion haben, wollen wir wieder zu den Topklubs gehören."
"Die Nummer eins der Schweiz?"
"Ich sage zu den Topklubs."
"Ziel für GC kann nur sein, wieder Nummer eins zu sein."
"Und was machen Sie, wenn der FC Basel 100 Millionen investiert?"
"Werden Sie übers Wochenende Interviews geben?"
"Nein, ich glaube nicht. Ich werde vorderhand niemandem ein Interview geben, denn sonst müsste ich alle Zeitungen berücksichtigen. Ich werde von Anfragen überhäuft."
"Ich will nicht insistieren, danke für das Telefonat."
"Gern geschehen, aufwiederhören."

April 20, 2007, 01:05 vorm.
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Kommentare

Lieber Walti

Du hast den Beweis geliefert: Wer also bezüglich der Schlagzeilen von übermorgen orientiert sein will, muss künftig Deinen Blog lesen.

Hast Du übrigens gewusst, dass auch Herr Vogel, wie alle wirklich grossen Fussballkenner dieses Landes, welche zudem den Anstosskreis eines Fussballfeldes nicht mit dem Mittelpunkt der Welt verwechseln und über die 4 Eckfahnen hinaus denken können, Teile seiner Kindheit und Jugend im oberen Fricktal verbracht hat?

Deine Vermutung, Herr Yakin (der ältere) würde bei GC nun das Traineramt übernehmen, finde ich hingegen sehr gewagt. Ist Dir nicht aufgefallen, wie in den letzten Wochen Herr Vogel immer wieder von der Notwendigkeit gesprochen hat, ein erfolgreicher Trainer müsse heutzutage „Sozialkompetenz“ mitbringen. Nun verstehen Fachleute unter Sozialkompetenz eine Ansammlung verschiedener Kompetenzen (z. B. Sprachkompetenz, interkulturelle Kompetenz, Konfliktkompetenz, usw. usf.), mit der Kernkompetenz, einem anderen Menschen grundlegende Achtung und Wertschätzung entgegen bringen zu können (Achtung: der Mensch wird als menschliches Wesen wertgeschätzt, und nicht seine Einstellungen, nicht sein Denken oder Verhalten, nicht seine Wertvorstellungen müssen wertgeschätzt werden!!!). Mit dieser Kernkompetenz sozialer Kompetenz ist es wie mit der Kondition im Fussball: sie ist nicht alles, aber ohne diese ist alles nichts!

Wenn nun Herr Yakin (der ältere) seinen ehemaligen Mitspieler Johann Vogel in der Presse als „bösartigen Intriganten“ bezeichnet, sagt dies unmittelbar etwas über Herrn Yakins Kernkompetenzen-Quotienten im Rahmen von Sozialkompetenz aus.

Also: Entweder wird Herr Yakin unter Erich Vogel nie Trainer von GC, oder aber Herr Vogel versteht unter Sozialkompetenz etwas, was nur er alleine versteht.

Kommentiert von: thomas spielmann | 20.04.2007 17:25:36

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