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28. März 2007

Gespräch mit Köbi Kuhn über das Schweigen

Bin heute in Zürich gelandet und habe erstaunt festgestellt:
Das Thema Köbi Kuhn interessiert auch hier.
Drum ein kleiner Nachtrag aus Florida.
Was eigentlich macht ein Trainer zu Beginn eines Spiels?
Er wartet, bis das Spiel zu Ende ist.
Auszüge aus einem Gespräch, das ich mit dem Coach in Miami führte:
"Herr Kuhn. Wie greifen Sie ins Spiel ein, wenn's nicht läuft?"
"Ich kann Spieler einwechseln."
"Es gibt Trainer, die geben Anweisungen."
"Die gebe ich auch, vor dem Spiel."
"Und wenn das Spiel begonnen hat?"
"Dann warte ich, bis es zu Ende ist."
"Klingt ganz überschaubar, als Arbeit."
"Die Arbeit hört bei mir beim Anpfiff auf. Das Spiel ist ein Resultat dieser Arbeit. Ich halte nichts davon, den Spieler während des Spiels Anweisungen zu geben. Sie wissen selber, was sie richtig machen und was nicht."
"Und wenn's die Spieler erst nach dem Spiel merken?"
"Als Spieler ertrug ich es nicht, wenn der Trainer mir während des Spiels dreinredete. Abgesehen davon, dass man als Spieler selten hört, was der Trainer an der Seitenlinie sagt. Heute ist das nicht anders: Jeder Spieler weiss, was er auf dem Platz zu tun hat. Wenn nicht, dann habe ich meine Aufgabe nicht richtig gemacht. Für Grundsätzliches ist es dann zu spät."
"Sie haben die Halbzeitpause. Viele Profis schaffen es, Tee zu trinken und gleichzeitig dem Trainer zuzuhören."
"In den ersten fünf Minuten der Pause verlange ich absolute Ruhe. Die Spieler müssen runterkommen, auch geistig kurz durchatmen. Dann kann ich vielleicht ein, zwei Sachen sagen, für mehr reicht die Zeit nicht, und es würde auch nichts bringen. Als Spieler ist man in der Pause für grosse Monologe nicht empfänglich."
"Sie kauen nicht an Ihren Fingernägeln, Sie rauchen nicht und geben keine Anweisungen. Wie vertreiben Sie sich so Ihre Zeit bis zum Spielende?"
"Ich überlege mir, was ich beim nächsten Spiel anders machen muss."
"Und während des nächsten Spiels denken Sie ans übernächste?"
"Ich kann mich nur wiederholen: Wenn das Spiel begonnen hat, ist es zu spät, grundsätzlich etwas zu ändern."
"Haben Sie Spass an Ihrem Job?"
"Ja."

März 28, 2007, 09:21 nachm.
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Kommentare

Aber genau das ist es ja ... Kuhn führt nicht, es passiert ihm.

Das erinnert mich an das Interview mit Barnetta und Wicki am Flughafen ZH nach der Rückkehr aus Deutschland:
Interviewer: Tranquillo, was sagt denn der Trainer so in der Kabine?
Barnetta (ratlos): Eigentlich nicht viel. Wir gehen raus und spielen.

(weiterer Kommentar überflüssig ...)

Kommentiert von: Roman Karl Griesfelder | 29.03.2007 20:36:58

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